Wenn Neugeborene mit schweren Komplikationen auf die Welt kommen, zählt jede Minute. Bei schwerem Sauerstoffmangel, Fehlbildungen, Unterzuckerung oder bei Frühgeburten muss das Kind schnellstmöglich von einer oder einem Neugeborenenmediziner*in untersucht und behandelt werden.
Um die Neugeborenen in akuten Notfällen bestmöglich zu versorgen, unterstützen die neonatologischen Spezialist*innen der KJF Klinik Josefinum unter anderem die Teams in den Kreißsälen der Kreiskliniken Günzburg-Krumbach seit Juni 2025 per Tele-Medizin. Die Kooperation der Kliniken hat sich in den vergangenen Monaten bewährt. Mit ihrer Erfahrung schließen sie sich nun dem bayernweiten Projekt „Tele-Neugeborenen-Notarztdienst (TeleNNAD)“ an, das jetzt auch in Nordschwaben startet.
Live-Schalte aus dem Kreißsaal
„Von Beginn an haben wir mit unserer Kooperation das Ziel verfolgt, im Notfall per Video und Audio schnellstmöglich eine erste medizinische Einschätzung und Behandlung der Neugeborenen in Zusammenarbeit mit den Teams in den Geburtskliniken vornehmen zu können“, erklärt Dr. Alexander Praus, Leitender Oberarzt und Sektionsleiter Neonatologie und Pädiatrische Intensivmedizin an der KJF Klinik Josefinum. „So können wir die Zeit, bis der Neugeborenen-Notarzt aus dem Josefinum vor Ort eintrifft, sinnvoll überbrücken.“
Über ein fest installiertes Kamerasystem im Kreißsaal verschaffen sich die Neonatolog*innen aus Augsburg zuerst einen umfassenden ersten Eindruck und haben über die 360°-Schwenk- und Zoomfunktion sowohl das Neugeborene als auch die Monitordaten stets im Blick. Über Mikrofon, Lautsprecher und Video kommunizieren die beiden Teams live miteinander und stimmen die weitere Behandlung des Babys ab.
Der Neugeborenen-Notarzt, ausgestattet mit einem neuen Transport-Inkubator, inklusive Beatmungsgerät und EKG-Monitor, macht sich in Notfällen parallel direkt auf den Weg in die Geburtsklinik, um das Neugeborene nach der Erstversorgung ins Josefinum zu bringen. Als geburtenstärkstes bayerisches Perinatalzentrum der höchsten Versorgungsstufe (Level 1) ist die KJF Klinik Josefinum, die zur Katholischen Jugendfürsorge der Diözese Augsburg e. V. (KJF Augsburg) gehört, spezialisiert auf die medizinische Versorgung von besonders kleinen Frühgeborenen oder schwer kranken Babys und verfügt über eine neu gebaute hochmoderne Neonatologie.
Ein Plus an Sicherheit
Die Tele-Neonatologie hat sich bewährt, erklärt Dr. Praus: „Sie ist ein großes Plus für die Patientensicherheit: Auch wenn es an der Kooperationsklinik keine eigene Neonatologie gibt, können die Expert*innen im Josefinum rund um die Uhr eingebunden werden. Und auch für das Kreißsaal-Team der Kooperationsklinik bedeutet die telemedizinische Unterstützung im Notfall mehr Sicherheit.“ Zudem profitiere die persönliche Zusammenarbeit der Teams durch den direkten Austausch in Bild und Ton deutlich.
KJF Klinik Josefinum schließt sich bayernweitem Projekt an
Ab dem 1. September 2026 wird nun die tele-neonatologische Kooperation zwischen den Kreiskliniken Günzburg-Krumbach und dem Josefinum in das bayernweite Projekt „TeleNNAD“ integriert, schon zum 1. August erfolgte die Integration der Kooperation zwischen dem Josefinum und dem Krankenhaus Friedberg. Der Tele-Neugeborenen-Notarztdienst (TeleNNAD) vernetzt bayernweit hochspezialisierte Zentren für Neugeborenenmedizin wie die KJF Klinik Josefinum mit Geburtskliniken und stärkt somit die Versorgung von Neugeborenen und Risikoschwangerschaften in ganz Bayern. Weitere Informationen zum Projekt „TeleNNAD“ finden Sie hier.
Im Rahmen des Projekts finden regelmäßige Schulungen für das medizinische Personal statt. Die Universität Regensburg begleitet das Projekt mit einer wissenschaftlichen Studie, um die tele-neonatologische Versorgung zu evaluieren und weiterzuentwickeln.