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Katholische Jugendfürsorge der Diözese Augsburg e.V.

Unser Leitbild

Mit der Jugend. Für die Zukunft!


Warum ein Leitbild?

Wer sinnvoll tätig sein will, muß sich in regelmäßigen Abständen vergewissern, ob seine Grundausrichtung und die aktuelle Umsetzung seines Wirkens übereinstimmen. Jeder wird sich darüber Rechenschaft geben, ob und wie er sich mit der übernommenen Tätigkeit, ihren Bedingungen und Zielsetzungen identifiziert. Das gilt für den Einzelnen, aber auch für den Verband der Katholischen Jugendfürsorge insgesamt.

Diese Rechenschaft kann auf mannigfache Weise durchgeführt werden, zum Beispiel durch persönliche Reflexion, durch Anstöße im beruflichen Alltag, in Dienstgesprächen und in Teambesprechungen und nicht zuletzt in der Reflexion über den Gesamtauftrag unseres Verbandes. Ein wesentliches Instrument dafür ist die Besinnung auf das "Leitbild".

Die Formulierung eines Leitbildes trägt dazu bei, die gesellschaftliche Situation richtig einzuschätzen. Es ist nicht zu übersehen, dass sich die Gesellschaft derzeit in einem Umbruch befindet, der sich auch auf die Katholische Jugendfürsorge auswirkt. Das Leitbild soll helfen, ihren Standort in der heutigen Gesellschaft zu bestimmen, damit die Katholische Jugendfürsorge dazu beiträgt, weiterhin Kinder und Jugendliche und ihre Familien partnerschaftlich so zu begleiten und zu fördern, dass Leben gelingt.

Das Leitbild soll dazu beitragen,

  • sich der im Laufe des Lebens erworbenen persönlichen Leitbilder für das berufliche Handeln bewußt zu werden und im Austausch mit anderen den eigenen Standort zu bestätigen, zu erweitern oder notfalls auch zu korrigieren;
  • sich der Verpflichtungen bewußt zu werden, die sich aus dem religiösen Auftrag der Katholischen Jugendfürsorge ergeben, aber auch aus der Satzung des Verbandes, aus seinen Traditionen und aus den Konzepten und Beschreibungen der Einrichtungen;
  • sich aus den persönlichen Erfahrungen und den vorgegebenen Grundzügen ein Leitbild zu schaffen, das Sicherheit in den gegenseitigen Erwartungen gibt und so beiträgt zur beruflichen Zufriedenheit und zur Identifikation mit den Aufgaben und Zielen des Verbandes.

    Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die sich für eine berufliche Tätigkeit bei der Katholischen Jugendfürsorge interessieren, kann ein solches Leitbild Orientierung und Entscheidungshilfe geben.

    Im Blick auf die Gesellschaft beschreibt das Leitbild sowohl die Grundlagen, Motivationen und Ziele des kirchlich-sozialen Engagements der Katholischen Jugendfürsorge, wie auch ihre derzeitigen Tätigkeitsfelder. Es macht deutlich, dass die Katholische Jugendfürsorge gerade mit ihrer fachlichen Ausrichtung einen wichtigen Beitrag leistet, damit der Lebensweg junger Menschen auch in unserer Zeit gelingt.
    Ein Leitbild ist allerdings nie endgültig, sondern muß je nach Veränderung der verschiedenen Situationen fortgeschrieben werden.

    Unser Auftrag

    Die Katholische Jugendfürsorge der Diözese Augsburg e. V. stellt sich mit ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und ihren Einrichtungen aufgrund ihres christlichen Auftrages und der subsidiären Beauftragung durch die Gesellschaft der Aufgabe, jungen Menschen und ihren Familien zu einem sinnerfüllten Leben zu helfen. Es ist ein Anliegen, die Individualität jedes einzelnen zu fördern und mit den Betroffenen Wege zu suchen, wie sie selbst zusammen mit anderen ihr Leben verantwortlich gestalten können. Es sollen Wege gefunden werden, mit Schwierigkeiten und Belastungen umzugehen, entstandene Defizite auszugleichen und positive Lebensperspektiven für ein erfülltes Leben zu entwickeln.

    Dazu ist der Einsatz jeder einzelnen Mitarbeiterin und jedes einzelnen Mitarbeiters erforderlich, die in den verschiedensten Berufen und Bereichen unseres Verbandes tätig sind.

    Was diesen Einsatz so wichtig macht, ist folgendes: Viele junge Menschen wachsen heute unter Lebensbedingungen auf, die ihre individuelle und soziale Entwicklung extrem belasten, ihre Erziehungsbedürfnisse kaum berücksichtigen und sie dadurch überfordern. Einige Problemfelder seien eigens genannt:

  • Eine zu starke individualistische Einstellung ohne Achtung vor den Lebenswünschen anderer Menschen. Sie schwächt verbindende und stützende soziale Strukturen, wie beispielsweise Familie, Nachbarschaft oder Gemeinde. Dies führt letztlich zu Einsamkeit und schränkt den Einzelnen in seiner Lebensentfaltung ein.
  • Der Mangel an Orientierungspunkten für die eigene Lebensgestaltung und die Konfrontation mit unterschiedlichen, häufig widersprüchlichen Weltanschauungen. Ohne entsprechende Begleitung und Anleitung wird der Aufbau einer verbindlichen Grundorientierung, die Lebenshalt gibt, erschwert.
  • Die Übertragung wirtschaftlicher Erfolgskriterien auf alle Bereiche der Gesellschaft. Dadurch entsteht ein Klima, das den Schwächeren und weniger Leistungsfähigen an seinem Wert und Lebenssinn zweifeln lässt. Die möglichen Folgen sind das verzweifelte Suchen nach Anerkennung selbst unter Anwendung von Gewalt.
  • Eine Lebenseinstellung, die jeden und alles nur dem Zweck und der Sache unterordnet. Dadurch kommt die unmittelbare menschliche Begegnung zu kurz und werden emotionale Werte, wie zum Beispiel Vertrauen und Liebe, verdrängt. Die Hoffnung auf Sinnerfüllung, die mehr als nur sachliche und zweckdienliche Antworten braucht, geht verloren.
  • Wirtschaftliche Interessen, durch die nur das Konsumverhalten gefördert wird. Dadurch werden Eigeninitiativen verdrängt und die Bereitschaft schwindet, sich selber anzustrengen, die Fähigkeit nimmt ab, warten zu können; damit geht der "Spannungsbogen" verloren, der für die Lebensbewältigung notwendig ist.

    Kinder und Jugendliche, die mit solchen Erfahrungen aufwachsen, brauchen Menschen, die aufgrund eigener Einstellungen und ihrer beruflichen Ausrichtung für sie Wegbegleiter und Vorbilder werden können. So können sie den Kindern und Jugendlichen zeigen, wie das Leben auch unter erschwerten Bedingungen gelingen kann.

    Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter achten dabei die Würde der jungen Menschen und ihrer Familien:

  • Es ist ihnen ein Anliegen, zuzuhören und sich Zeit zu nehmen.
  • Sie vermitteln das Gefühl, wichtig und wertvoll zu sein.
  • Sie verhalten sich aufgeschlossen, aufrichtig und feinfühlig, wie gegenüber einem guten Freund, der Sorgen hat.
  • Sie leben in der Hoffnung, gegebene Bedingungen positiv verändern zu können und begründen damit Vertrauen in das Leben.
  • Sie verfügen selber über persönliche Lebensorientierung und über Lebenserfahrungen, ohne dabei den Anschein erwecken zu wollen, dass sie nicht mehr an sich arbeiten müssten.
  • Sie können zur rechten Zeit ruhig und bestimmt "nein" sagen und bringen damit die Kraft auf, konsequent zu bleiben.
  • Sie helfen, eigene Entscheidungen zu treffen, ohne in Abhängigkeiten zu bringen.
  • Sie ermutigen, auch zu Fehlentscheidungen zu stehen, deren Folgen verantwortlich zu tragen und zu überwinden.
  • Sie geben der Hinführung zum Glauben an Gott Raum und unterstützen dieses Anliegen nach ihren jeweiligen Möglichkeiten.
  • Sie achten die Glaubensfreiheit und die religiöse und weltanschauliche Überzeugung jedes Einzelnen.

    Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die so andere Menschen mit ihren Schwächen und Stärken annehmen, werden auch lernen müssen, Enttäuschungen in ihrem beruflichen Leben zu verkraften. Sie werden aber ebenso bereit sein, erwidertes Vertrauen und Zuneigung anzunehmen; denn Leben und Lebensbewältigung sind ein wechselseitiges Geben und Nehmen.

    Die Grundlage unseres Auftrages

    Die Katholische Jugendfürsorge will im Sinne Jesu Christi durch konkrete Nächstenliebe zum Leben ermutigen. In diesem Auftrag der Kirche sind ihre Einrichtungen offen für alle, die entsprechende Begleitung und Förderung brauchen.

    Dieser Auftrag orientiert sich am christlichen Menschenbild. Aus ihm ergeben sich Konsequenzen für die Arbeit der Katholischen Jugendfürsorge.

  • Gott hat in schöpferischer Liebe jeden Menschen als sein Ebenbild geschaffen. Er liebt ihn ohne Einschränkung. Dies versuchen wir gemeinsam nachzuvollziehen.
  • Jeder Mensch darf sich als Geschöpf Gottes selbst annehmen und lieben und Achtung von anderen erwarten. Wir sehen unsere Aufgabe darin, diese Haltung zu fördern.
  • Jeder Mensch ist berufen, in Gemeinschaft zu leben und seinen Beitrag zu ihrem Gelingen zu leisten. Diese Solidarität wollen wir erfahrbar machen und stärken. Dabei beachten wir besonders Menschen, die am Rande der Gesellschaft stehen.
  • Jeder Mensch lebt in dieser Welt und hat zugleich Hoffnungen und Sehnsüchte, die über diese Welt hinausgehen. Wir wollen mithelfen, dass Menschen auch in ihren Grenzen erfüllt leben und zugleich eine letzte Sinnerfüllung aus dem Glauben an Gott finden können.

    Durch die menschliche Zuwendung, die haupt- und ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Katholischen Jugendfürsorge anbieten, wird zugleich der Auftrag des Evangeliums verwirklicht: "Liebe deinen Nächsten, wie dich selbst!" (Mt 19,19).

    So geschieht "Caritas": im Bemühen Einzelner, kirchlicher Gemeinschaften und Organisationen, Menschen in Notlagen psychischer, physischer und sozialer Art anzunehmen, ihnen zu helfen und sie zu unterstützen. Der christliche Glaube ist dabei als Quelle für das tägliche Tun zu öffnen.

    Der Weg unseres Auftrages

    Damit dies gelingt und in Dienstgemeinschaft ausgeführt werden kann, sind bestimmte Voraussetzungen notwendig und hilfreich.

  • Wem Leitungsverantwortung übertragen wurde, der übernimmt damit auch die Aufgabe, gute Rahmenbedingungen zu schaffen, damit fachlich qualifiziert und nach den Grundsätzen von Wirtschaftlichkeit und Effizienz gearbeitet werden kann.
  • Jeder Mitarbeiterin und jedem Mitarbeiter werden nach ihren Fähigkeiten bestimmte Aufgabenbereiche übergeben. Sie erhalten dazu Kompetenzen und Entscheidungsbefugnisse, damit sie verantwortungsvoll handeln können. Sie übernehmen Verantwortung und werden in geeigneter Weise in Entscheidungsprozesse und in Überlegungen zur Weiterentwicklung einbezogen. Die verschiedenen Aufgaben und Funktionen müssen so angelegt sein, dass sie einander ergänzen.
  • Die jeweiligen Vorgesetzten haben die Aufgabe, ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu ermutigen, zu motivieren und das berufliche Handeln mit ihnen zu reflektieren. Dazu sind entsprechende Strukturen nötig.
  • Fachliche Fort- und Weiterbildung müssen jeder Mitarbeiterin und jedem Mitarbeiter und zugleich den Verantwortlichen des Verbandes ein wichtiges Anliegen sein. Wichtig ist auch, dass bei belastenden Erfahrungen und Konflikten im Beruf Hilfen gegeben werden, sie zu verarbeiten.
  • Es ist darüber hinaus Aufgabe des Verbandes, Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern pastorale und spirituelle Begleitung anzubieten, um so zur Vertiefung des persönlichen Glaubens und zur Bewältigung des beruflichen Alltages Hilfen zu geben. Damit dies geschehen kann, sind gegenseitige Offenheit und Toleranz notwendig.
  • Berufliches Leben kann nur im gemeinsamen Bemühen gelingen. Deshalb sind je nach Tätigkeit und Einrichtung entsprechende Formen des Gesprächs, der Reflexion und des Austauschs zu suchen. Nur so können gemeinsam Entwicklungen getragen und vorangetrieben werden.
  • Eine wichtige Rolle kommt dabei der Mitarbeitervertretung zu. Eine gute Zusammenarbeit zwischen Mitarbeitervertretung und Dienstgeber ist für das Gelingen der Dienstgemeinschaft wichtig. Grundlegende Richtlinien für diese Zusammenarbeit sind in der MAVO klargelegt.
  • Schließlich sind persönliche Begegnungen zu ermöglichen, die auch ehemaligen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern offen stehen. Gemeinsame Feste gehören in den Ablauf eines Arbeitsjahres.

    Unsere Tätigkeit

    Die Katholische Jugendfürsorge bietet als Fachverband der Caritas aus einer reichen Erfahrung menschlich begründete und fachlich bewährte Wege an. Sie ist derzeit in folgenden Bereichen tätig:
    In der Kinder- und Jugendhilfe durch ambulante Angebote und durch teilstationäre und stationäre heilpädagogische Einrichtungen: Es ist ein Anliegen, dem Einzelnen angemessene Hilfe zu leisten, um ihn zu unterstützen und zu fördern;

    In der Behindertenhilfe durch medizinische und pädagogische Frühförderung. Durch präventive Hilfen werden bestehende Defizite ausgeglichen und die betroffenen Familien ermutigt, damit leben zu können. Die Berufsvorbereitung und Berufsausbildung vor allem von lern- und mehrfachbehinderten jungen Menschen hilft ihnen, ein eigenständiges Leben mit Zukunftsperspektiven zu führen.

    In der Gesundheitsfürsorge durch Prävention, durch die rechtzeitige und fachlich qualifizierte Behandlung, und durch Rehabilitation. Dadurch wird den Entwicklungen unserer Gesellschaft Rechnung getragen. Die ärztlich begleiteten Ferienerholungen in den Sommermonaten stehen vor allem auch für Kinder aus Familien offen, die sich sonst keinen Urlaub leisten könnten. In den Fach- und Rehabilitationskliniken (Kurkliniken) des Verbandes, die sich auf spezifische Krankheitsbilder konzentrieren, wird für die Zukunft junger Menschen und ihrer Familien Vorsorge geleistet. Die Klinik Josefinum vereinigt unter einem Dach Chefarztabteilungen für Kinderheilkunde, für Kinder- und Jugendpsychiatrie und für Entbindung und Gynäkologie. In Kempten im Allgäu befindet sich eine Zweigstelle der Kinder- und Jugendpsychiatrie.

    In Bildungseinrichtungen durch die Ausbildung in sozialen Berufen. Kinderkrankenschwestern, Heilerziehungspfleger und Heilpädagogen können an den entsprechenden Schulen ihren Beruf in Theorie und Praxis erlernen. Daneben gehören zu den jeweiligen teilstationären und stationären Einrichtungen die entsprechenden Grund- und Hauptschulen, Förderschulen und Berufsschulen.

    Insgesamt verwirklichen heute ca. 2800 hauptamtliche und zusätzlich ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter den Auftrag der Katholischen Jugendfürsorge. Ihnen allen ist es ein Anliegen, sich für Kinder, Jugendliche und ihre Familien einzusetzen, mit ihnen entsprechende Wege zur Lebensbewältigung zu suchen und die Angebote der Katholischen Jugendfürsorge je nach dem Bedürfnis der jungen Menschen und ihrer Familien zu verändern und weiterzuentwickeln. Darüber hinaus besteht die Aufgabe darin, auf Entwicklungen in der Gesellschaft zugunsten von Kindern, jungen Menschen und Familien einzuwirken und sich in der Öffentlichkeit dafür einzusetzen, dass tatkräftige und rechtzeitige Hilfe geleistet werden kann.